Sonntag, 25. Juni 2017

Ein Tuner Dongle für ICOM Transceiver



Alle ICOM KW-Transceiver ab dem IC-706 sind an dieser Stelle gleich gestrickt: sie haben einen vierpolige Buchse für einen externen Antennentuner.

Ein ICOM-Tuner wie der AH-4 wird dort angeschlossen und beim Drücken des Tune-Knopfes stimmt der Tuner mit reduzierter Leistung ab. Soweit so gut. Doch was ist mit einem artfremden Tuner, zum Beispiel einem CG-3000?

In diesem Fall hilft ein Tuner-Dongle. Das ist nichts anderes als ein vierpolige Stecker mit einer simplen Schaltung. Dieser gaukelt dem Transceiver einen AH-4 vor, und beim Drücken der Tune-Taste wird ein Träger von ca. 10 Watt während 5 bis 10 Sekunden ausgesendet. Genug Leistung und Zeit, damit auch der CG-3000 mit den Relais klappern und die richtige Anpassung finden kann.

Natürlich kann man so einen Tuner-Dongle fixfertig kaufen. Doch besser ist selber machen - schließlich sind wir Funkamateure.

Nebst dem Stecker braucht es nur noch einen Kondensator und einen Widerstand - und natürlich einen heißen Lötkolben. Und so wird das Teil verdrahtet:


In der Praxis sieht das dann so aus:

Ich habe anstatt 1000 uF einen 470 uF Kondensator gewählt. Das gibt ca. 5 Sekunden Tuning - genug für den CG-3000 oder meinen Stockcorner JC-4.
Zum Schluss noch ein Stück Schrumpfschlauch drauf und fertig ist der Tuner-Dongle. Er funktioniert vom IC-706 bis zum neuen IC-7300 bei allen ICOM Modellen.






















Bild: Ehringer Kuh in der Nähe von Nendaz/Wallis

Samstag, 24. Juni 2017

Eine Morsepaddle für 18 Euro



Da wir schon mal Basteln sind, hier ein weiteres interessantes Projekt, das in jedes Ham-Budget passt:

Als ich zum ersten Mal mit einem Touch-Paddle in Berührung kam, war ich skeptisch. Ein Morsepaddle ohne Mechanik? Das konnte doch nur ein Spielzeug sein!
Doch weit gefehlt: ich schloss sofort Freundschaft mit der vollelektronischen Morsetaste und machte auch nicht mehr Fehler als mit der Begali (Danke Bernd).

Bisher waren vollelektronische Tasten exotische Projekte und oft nicht ganz immun gegen HF, doch Javier EA3GCY ist auf dem besten Weg, das Universum der Telegrafisten zu verändern:
Für nur 18 Euro bietet er seinen Bausatz für das elektronisches Paddle TKEY-1  an
Mit diesem Preis schlägt er alle Mechanischen, von Palm bis Begali. Zudem soll die Taste besonders HF-fest sein.

Eine Behausung dazu baut man sich meist selbst oder integriert die Taste in einen Selbstbau-Transceiver. Aber Javier bietet auch ein Gehäuse für sein Paddle an. Allerdings ist das fast doppelt so teuer wie die Elektronik: 30 Euro.

Hier geht es zum Shop von Javier Solans. Er ist ja kein Unbekannter in der Selbstbauszene. Sein ILER, ein QRP SSB Transceiver für das 40m Band, ist schon eine Weile auf dem Markt und wurde in der Zwischenzeit weiter verbessert. Zudem wird der ILER jetzt auch in einer 20m oder 17m Version angeboten.

Freitag, 23. Juni 2017

Die 20$ PA in der Praxis

Zum gestrigen Blogeintrag hat mir Tim DK5OH eine sehr interessante Mail geschrieben. Er hat die 20$ PA aus China mit einem 40m QRP Bausatz zu einem Transceiver kombiniert....und er hat sein Gerät nicht nur im Aether getestet, sondern auch gemessen. Hier sein Bericht:

Hallo Anton,
ich habe einen netten, kleinen 40m SSB TRX-Bausatz (BitX40) um die von dir beschriebene "70W DIY-PA" von ebay erweitert. Der TRX macht jetzt 50W. Gesamtkosten des Projektes waren ca. 100€.

So sieht mein kleiner, robuster TRX dann aus:




Wie du siehst, musste ich die PA vom TRX abschirmen, da sonst der kleine Arduinio oft ausgestiegen ist.

Nun aber zu der PA.
Der Bausatz ist wirklich klasse. Einfach aufzubauen und macht auf 40m mit 5W in ca. 60W out.
Ich habe auch die Messdaten am Spectrumanalyzer aufgenommen. Treiber war mein FT817ND mit 5W an einem Dummy mit -40db Auskopplung und -20db Dämpfungsglied.
Zunächst ohne LPF:




Danach hab ich einen 7-Element Tschebyscheff-Filter nach W3NON eingebaut. Auf der Platine sind praktischerweise Ein- und Ausgang für einen LPF vorgesehen. Auch ein Koaxrelais für TX-RX ist verbaut. So empfängt man nicht durch das Filter.

Hier die Messdaten mit LPF. Treiber war wieder mein FT817ND mit 5W an einem Dummy mit -40db Auskopplung und -30db Dämpfungsglied.



Das LPF ist im UKW-Bereich nicht mehr wirklich gut. Das ist sicher meinem Aufbau und den verwendeten Bauteilen geschuldet.
Hier hab ich also noch Optimierungspotenzial ;)

73
Tim (DK5OH)


Vielen Dank lieber Tim und herzliche Gratulation zu deinem Projekt. 
Deine Messresultate zeigen klar, dass man die 70W PA nicht ohne Tiefpassfilter betreiben sollte.
73 de Anton

PS. Dank an alle, die mich darauf aufmerksam gemacht haben, dass man die Bilder nicht sehen konnte. Hoffentlich klappt es jetzt.

Donnerstag, 22. Juni 2017

FT-817 PA - Bausatz ohne Schema

Auch wer QRP unterwegs ist, wünscht sich manchmal etwas mehr Power.
Doch eine Edel PA wie die KXPA 100 von Elecraft hat nicht in jedem Funk-Budget Platz.
Doch glücklicherweise gibt es Ebay. Wer dort nach einer kleinen und günstigen PA für seinen Knirps sucht, wird rasch fündig. Die Auswahl an Kurzwellen-Endstufen für QRP-Geräte ist groß.

Dieser Bausatz ist bereits für 20$ zu haben, Versand inklusive. Jedoch ohne Kühlkörper und Gehäuse:



 Bei 5W Eingangsleistung soll die PA bis zu 70W von 80m bis ins 10m Band liefern. Dies bei 13.8 Volt Versorgungsspannung. Gerade richtig, um am Urlaubsort mit Steckdose seinen FT-817, KX2, KX3 oder mcHF zu betreiben.
Die paar wenigen Komponenten wird man sicher an einem Abend zusammenlöten können?

Doch so einfach ist es nicht. Zu diesem Bausatz, der es in verschiedenen Versionen gibt, erhält man weder Schema noch Bauanleitung.
Frits PA0FRI hat sich auf seinem Blog um dieses Thema gekümmert und Schaltpläne zu einer Version dieser Bausätze zusammengetragen. Das Teil arbeitet mit zwei MOS FET IRF530 - gewöhnlichen Schalttransistoren. Deshalb darf man auch nicht erwarten, bis ins 10m Band die volle Ausgangsleistung zu bekommen. Doch die PA läuft, wie KC2IRV im folgenden Video demonstriert:


Leider berichtet das Video weder über Oberwellen noch über IMD. Offenbar stehen dem OM nicht die entsprechenden Messmittel zur Verfügung.
Wie dem auch sei: von einem Betrieb dieser PA ohne nachfolgende Tiefpassfilter ist dringend abzuraten.
PD7MAA hat auch noch ein paar wichtige Tipps und Vorschläge für Tiefpassfilter zu dieser PA.

Wer sich nicht um Schaltpläne und nicht vorhandene Anleitungen und Filter kümmern will und lieber etwas pfannen-fertig möchte: für etwas mehr Geld gibt's diesen Winzling hier:


Das Teil ist fertig aufgebaut und Tiefpassfilter sind auch drin. Allerdings muss die Hobbykasse jetzt schon 160$ bis 180$ rausrücken. Und anstatt 70W gibt's diesmal nur 45W. Aber auch das ist noch viel in Anbetracht des winzigen Kühlköpers.
DK9JC hat den Winzling ausprobiert (aber leider auch nicht ausgemessen):


Inzwischen gibt es auf Ebay einen regelrechten Tsunami dieser Endstufen in allen möglichen Ausprägungen und Zuständen. Für Bastler ein Eldorado.

Für meinen FT-817 habe ich eine Endstufe selber gestrickt. Sie hat sich bisher bestens bewährt:
Teil 1
Tiefpassfilter
Teil 2


Mittwoch, 21. Juni 2017

Das haut dem S-Meter den Zeiger ab


Norwegen hat es bereits getan, die Schweiz ist auf dem Weg dazu: DAB ersetzt den FM Rundfunk. Nun hat Deutschland im Bundestag die Weichen gestellt: Anfang Juni hat dieser – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit – mit der „vierten Änderung des Telekommunikationsgesetzes“ ein faktisches Verkaufsverbot von „normalen Radios“ beschlossen, und dies im wahrsten Sinne des Wortes in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, nämlich um 2 Uhr morgens...

Die Einführung von DAB wird in DL auf eine ganz spezielle Art vorbereitet:
Der Bundestag hat nun nach jahrelangen Beratungen und Verhandlungen den Weg zu einem gesetzlichen Verbot des Verkaufs von Radios freigemacht, die keinen digitalen Empfangsteil haben, also kein DAB+ oder Internet-Radio unterstützen.

Der Verbotsweg ist zwar für DL typisch, doch da scheint einiges noch nicht klar zu sein. Verwirrung herrscht.
Aber auch das ist irgendwie typisch, wenn man an das Netzdurchsetzungsgesetz denkt, das der Deutsche Justizminister unbedingt haben will. Dabei rangiert Deutschland angeblich bereits jetzt auf Rang drei nach der Türkei und Russland was die Twitter-Zensur anbelangt.
Dagegen ist der sanfte DAB-Zwang geradezu harmlos.

Hierzulande habe ich mich übrigens an DAB gewöhnt und es schätzen gelernt. Besonders die Musikprogramme ohne Werbung und Moderatoren-Geplapper haben es mir angetan. mein Favorit ist zurzeit - wie könnte es anders sein - Vintage Radio. 
Die alten FM/MW-Radios wurden bereits in den Keller verbannt, wo sie auf ihren Abgang warten und beim nächsten Autokauf ist DAB+ ein Killer-Kriterium.

Trotzdem höre ich in den langen Winterabenden gerne den Holländischen Piratenstationen auf Mittelwelle zu - natürlich mit dem AFU-Transceiver ;-)
Seltsam, nicht wahr?



Jetzt wo die meisten dicken Mittelwellensender in Mitteleuropa verschwunden sind, wird die Mittelwelle wieder so richtig interessant. Auch schwache Stationen können nun gehört werden. Vielleicht baue ich mir wieder einmal ein Nostalgie-Radio - am besten mit Röhren. Da macht das Hören doppelt soviel Spaß.






Donnerstag, 15. Juni 2017

Der Graus vor dem Mikrofon




Wenn ich ein Occasion Funkgerät erstehe, werfe ich zuerst mal das Mikrofon weg. Eigentlich müsste ich es beim Verkäufer zurücklassen, aber ich möchte ihm nicht zu nahe treten. So nehme ich es höflich mit und entsorge es im nächstbesten Abfallcontainer für Elektronikschrott.
Denn mich graust vor gebrauchten Mikrofonen. Wenn ich mir vorstelle, dass ganze Bakterienkolonien dort ein neues Zuhause gefunden haben, zwischen den Essensresten  von unzähligen Mahlzeiten und dem feuchten Nachlass vieler Five-Nine, so wird mir übel.

Natürlich ist auch das Mikrofon meiner Neuerwerbung sofort in den Abfall gewandert (Sri Martin). Neue Mikrofone gibt's auf Ebay ja zu Hauf und kosten tun sie fast nix. Das bewährte ICOM HM-36 zum Beispiel gibt's in China ab 12$, Shipping inklusive. Es passt übrigens auf die meisten ICOM-Transceiver mit 8-Pol Rundstecker, von den Geräten aus den frühen Neunzigern bis zum neuen IC-7300.  Natürlich ist umgekehrt auch das HM-219 des IC-7300 abwärtskompatibel.
Auch die Yaesu-Mikrophöner sind vielfach kompatibel.

Als Mikrophobiker ist für mich das Wegwerfen des Mikrofons nicht die einzige Aktion beim Kauf eines alten Geräts.
Kaum zu Hause, werden alle Knöpfe abmontiert und in die Geschirrwaschmaschine gesteckt. Die gleiche Behandlung kriegt auch die Frontplatte. Natürlich bei verträglichen Temperaturen, ich will ja kein Schrumpfgerät.

Dann geht es an die Innereien. Viele OM haben ihr Gerät nie aufgemacht und sie können sich gar nicht vorstellen, wer alles in ihrem Transceiver haust. Doch die Spinnen sind nur das kleinste Problem. Es ist der Staub, der auf den Leiterplatten sitzt, die Elektronik irritiert und den Ventilator verstopft.
Doch Vorsicht mit dem Staubsauger und dem Pinsel: wenn ESD ins Spiel kommt, ist die Kiste futsch und wird zu einem Fubar.

Apropos futsch: Wer eine Occasion kauft, tut gut daran, das Teil auf Null abzuschreiben, sobald das Geld die Hand gewechselt hat. Steigt ein 20-jähriges Spezialteil aus, das nirgendwo mehr erhältlich ist, bleibt einem nur noch der Kannibalismus. Das heißt, man schlachtet das Gerät aus und versucht die Einzelteile auf Ebay zu verkaufen, um so noch einen Bruchteil des Kaufpreises wieder reinzuholen.

Geräte von OM, die im Shack rauchen, sind für mich ein No-Go. Man erkennt sie am gelblichen Belag auf Anzeige und S-Meter und dem typischen Aschenbecher-Geruch. Innendrin sehen sie aus wie die Lunge eines Kettenrauchers.



Nach der Reinigung des neuen Alten kommt die elektrische Renaissance. Das geht freilich nicht ohne Service Manual und Messpark. Wenn das Gerät jedoch gut läuft, ist es aber besser, die Finger davon zu lassen. Never touch a running system! Früher habe ich mich immer durch das ganze Abgleichprotokoll durchgearbeitet, heute messe ich nur noch die wichtigsten Parameter und justiere die Frequenz des Referenzoszillators.

Wer als Schweizer ein Funkgerät - ob neu oder alt - im Ausland kauft, für den hält unser BAKOM ein paar Ratschläge parat. Interessant, dass sich das Amt an der Zukunftstrasse in Biel nicht um das CE Zeichen kümmert. Was zählt, ist die so genannte Schnittstellenanforderung.
Ein Begriff aus der technischen Beamtensprache, der mich immer schmunzeln lässt. Meine Zwickzange weiß genau, wo die Schnittstellen meiner Geräte sind ;-)

Bild ganz oben: Carpaccio, definitiv kein Veggie-Teller ;-)
Bild Mitte: Brissago

OT aber topaktuell (Triggerwarnung: nicht PK)


PS. Das Lied ist vom leider viel zu früh verstorbenen Mani Matter.

Montag, 12. Juni 2017

Vorwärts in die Vergangenheit

Gut ein Jahr lang habe ich den Yaesu FT-991 (1,2,3) jetzt auf dem Stationstisch gehabt. Oft mit ihm gehadert, manchmal arrangiert, doch nie richtig akzeptiert. Dieses Gerät ist nie mein Freund geworden. Das liegt nicht an seinen Empfangsleistungen und auch nicht an seinem Sender. Im Gegenteil: die ausgezeichnete Modulation und der "Talkpower" haben mich bisher davon abgehalten, mich von ihm zu trennen. Und was ich mit dem IC-7300 hören konnte, konnte ich auch mit dem Yaesu hören.
Nein, es liegt an mir.
Das Yaesu-Bedienkonzept passt nicht in mein Denkschema. Es verknotet meine Gehirnwindungen. Das war früher nicht der Fall. Bei älteren Yaesu-Geräten (1,2) war die Welt m.E. noch in Ordnung. Doch irgendwann hat es angefangen. Vielleicht mit der Exkursion von Yaesu zu Vertex oder mit dem Übergang zu der digitalen Signalverarbeitung. Bei den kleinen Multibandern wie dem FT-817 und dem FT-857 habe ich die verschachtelten Menüs und die eigenartigen Konzepte der Ingenieure noch in Kauf genommen - als notwendige Konzession an die Miniaturisierung. Die beiden werden auch weiterhin meine treuen Begleiter sein.
Doch beim FT-991 begann das Fass zu überlaufen. Den Vogel schießt wahrscheinlich der FT981 ab. In diesem Fall hat es mir gereicht, den Testbericht im "Funkamateur" zu lesen. Ausprobieren muss ich das nicht noch selbst.

Der langen Rede kurzer Sinn: Seit ein paar Tagen steht der FT-991 zum Verkauf bei Ricardo und ich hoffe, dass er einen guten Shack mit einem verständnisvollen OP finden wird.

Doch wohin soll die Reise nun gehen? Was kommt als nächstes? Vielleicht das Modelleisenbahner-Pult von ICOM? Auf Schweizerisch "Pultli". Mindestens 2m müsste ja bei meinem nächsten Versuch wiederum drin liegen.

Nein. Diesmal habe ich einen Rolle rückwärts gemacht und mich dazu entschieden mir ein Vintage-Gerät anzulachen, mit dem ich bei seinem Erscheinen vor bald 20 Jahren geliebäugelt hatte.

Heute habe ich den Verkäufer getroffen um die Übergabe zu arrangieren. Sein Verkaufsgefährt: ein ehemaliger BAKOM-Bus mit dem früher Schwarzsender aufgespürt wurden (Funkmesswagen). Da ich schon lange nicht mehr schwarz sende, habe ich mich in die Nähe gewagt:


Auch eine Antenne hatte Martin HB9SFL schon aufgerichtet: eine Vertikal mit CG-3000. Ich war baff. Noch nie habe ich einen so zuvorkommenden Verkäufer getroffen. Martin, du hast den Vogel abgeschossen ;-)


Aber ich will euch nicht länger auf die Folter spannen: hier ist mein Neuzugang: Ein IC-746.


Diese Geräteklasse ist einzigartig: KW, 6 und 2m mit jeweils 100 Watt. Wie es für ICOM typisch ist: alle wichtigen Funktionen sind über eine Taste oder einen Regler direkt zugängig. Wenn ich zum Beispiel die Leistung oder die CW-Tastgeschwindigkeit verstellen will, muss ich nicht zuerst im Menü rumgrübeln. Die Schaltung hat viel vom IC-765 erben können, dem besten ICOM, den ich je hatte. Im Gegensatz zum IC-765 wurde hier zum ersten Mal das Twin-Passband-Tuning realisiert, das beim IC-765 noch durch einen Patentstreit blockiert war. Für den CW-Operateur gibt es sogar ein Audio-Peak-Filter, damals ebenfalls ein Novum für ICOM. Und für das 2m-Band natürlich die ganze Palette an FM-Einstellungen. Natürlich noch ohne D-Star und anderen Klamauk.

Der IC-746, damals zwischen dem IC-706 und dem IC-756 positioniert, war aber noch ein "Quarzfilter-Grab". DSP hatte er nur in der NF. Sowohl in der ersten, wie in der zweiten ZF konnten Filter nachgerüstet werden. Zusammen mit dem optionalen TCXO CR-282 schon damals ein teurer Spaß. Wer heute eine solche Kiste im "nackten" Zustand kauft, muss nochmals 400 Euro drauflegen.

Nur ein paar Jahre später schob ICOM daher den IC-7400 nach (in den USA 746Pro). Vom Aussehen her fast identisch, verfügt diese Variante über eine DSP-ZF. Zusätzliche Quarzfilter sind also nicht mehr nötig. Ein seltenes Gerät auf dem Gebrauchtmarkt.

Als die Produktion des IC-7400 eingestellt wurde, verschwand diese Art Transceiver (KW und 2m mit je 100W) für eine Weile. Erst mit dem IC-9100 ist sie wieder aufgetaucht. Zwar mit 70 und 23cm als Zugabe, doch zu einem stolzen Preis.