Freitag, 16. Februar 2018

Der ICOM IC-7610 im Vergleich


Rick DJ0IP hat eine super Webseite mit mehr als 2.6 Millionen Besuchern seit Januar 2013. Auf Englisch, den Rick kommt ursprünglich aus den USA. Die Reihe der Rufzeichen, die er bisher innehatte ist schwindelerregend.
Rick hat nicht nur mehr Humor als der mitteleuropäische Durchschnittsamateur, er hat auch beste Beziehungen zu Rob Sherwood. Den mit der Liste, ihr wisst schon.

So findet man auf Ricks Seite immer das Neuste von Rob Sherwood NC0B.
Und jetzt wird es spannend: Rob hat kürzlich den IC-7610 mit seinen anderen Gerätschaften verglichen: mit dem großen Schlachtschiff von Kenwood, dem TS-990S, mit einem ANAN 7000DLE und natürlich mit dem IC-7300. Der Vergleich fand diesmal nicht im Labor statt, sondern in der harten Wirklichkeit: unter Contest-Bedingungen. Rob hat ein Traum-QTH in Colorado, nicht zu vergleichen mit unseren bescheidenen Verhältnissen im überbevölkerten und HF verseuchten Mitteleuropa. Darum leuchtet bei seinem IC-7300 die OVL-Anzeige auch nur in seltenen Fällen.

Wie sind Rob's Vergleiche ausgefallen? Was sind seine Schlüsse, die er daraus gezogen hat?

- Aus seiner Sicht sind die wesentlichen Verbesserungen des IC-7610 gegenüber dem IC-7300 das lautlose QSK (Full BK) und das Audio Peak-Filter APF. Kein Wunder, den Rob ist ein CW-Mann.
 Aber auch der grosse Kenwood hat eine lautlose Sende-Empfangsumschaltung ohne klapperndes Relais. Der ANAN hingegen nicht.

- Zwar sei auch der ANAN ein Spitzengerät, an dem es kaum was auszusetzen gäbe, doch Rob mag es, wenn er alles in einer Kiste hat (all in one). So kann sich sein Computer ganz aufs Log konzentrieren.

- Interessanterweise findet er den Zweitempfänger zwar wichtig für DX-Expeditionen, doch nicht für den "Hausgebrauch".

- Abgesehen vom geräuschlosen QSK und dem APF findet er, dass der IC-7300 und der IC-7610 fast gleich gut arbeiten. Er lobt besonders die Noise Reduction NR, die nirgends so gut sei wie in den ICOM's: "The best I have ever used".

- Rob kommt in seinem Bericht dann auf einen Punkt zu sprechen, der mir auch schon aufgefallen ist: viele OM benutzen weder RF-Gain noch Abschwächer. Dabei sind dies zwei ganz wichtige Funktionen, die den Empfang auf den tieferen KW-Bändern erleichtern. Anstatt im 80 oder 160m Band das S-Meter bei S6 oder gar bei S9 rumleiern zu lassen, ist es besser den Abschwächer einzuschalten, und/oder den RF-Gain zurückzunehmen. Der Empfang wird damit sofort ruhiger und angenehmer und die AGC wird nicht mehr vom Noise "überrannt" und kann wieder richtig arbeiten.
Das betrifft übrigens alle Empfänger, ob klassische Superhets oder moderne Direct Sampler.

- Im Übrigen findet Rob die Spektrums- und Wasserfallanzeige auf den ICOM's wesentlich besser als auf dem Kenwood oder dem ANAN. 

- Was den Sendeteil der Geräte anbelangt, ist sich Rob der Unzulänglichkeiten der 12V-Endstufen bewusst. Die Intermodulationsverzerrungen dieser Sender können nicht mit der Empfangstechnik schritthalten. Ja, sie machen deren Fortschritte sogar zunichte. Der Kenwood, so vermutet er, ohne Genaues gemessen zu haben, sei in dieser Hinsicht besser, da er eine 50V Endstufe verwende.

- Eine interessante Bemerkung im Bericht betrifft den Noiseblanker NB. Bisher habe es ICOM nur im 781er und im Pro3 zustande gebracht, Impulsstörungen richtig wegzukriegen. Besonders schlimm sei in dieser Hinsicht der IC-7000.

- Natürlich kommt Rob auch auf das OVL-Problem zu sprechen. Das ist die Anzeige, die bei den Direct-Samplern anspringt, wenn der A/D-Wandler überlastet ist. Der Empfänger erzeugt dann nur noch Chaos und ist unbrauchbar. Da Rob am "Ende der Welt" lebt und nicht in Zentraleuropa, hat er die OVL-Anzeige beim IC-7300 bisher nur einmal gesehen, als eine CB-Station in der Nähe war. Aber er weiß um die Situation hier in Europa.

- Der mitlaufende Preselector im IC-7610 scheint nicht gerade das Gelbe vom Ei zu sein. Einerseits ist es offenbar nur ein einpoliges Filter mit einer ziemlich flachen Selektionskurve, andererseits sind da offenbar Relais am werkeln. Rob berichtet von Knackgeräuschen im Empfänger und aus der Kiste die alle 10 oder 20kHz beim Drehen über das 160m Band zu hören seien. Darum habe er diese, DigiSel genannte Funktion, ausgeschaltet.

Bild: bunte "Vögel" über der Jammerbucht.


 

Mittwoch, 14. Februar 2018

Seltsame HF-Blüten


Nikola Tesla, nach dem Elon Musk seine Autos benannt hat, war ein exzentrischer Erfinder. Seinem Forscherdrang entsprangen eine grosse Zahl von Patenten, zu Beginn durchaus handfest und nützlich, doch mit zunehmenden Alter immer skurriler. Denn Tesla war von einer Idee besessen: der drahtlosen Übertragung von elektrischer Energie.

Dass diese Idee immer noch in den Köpfen rumschwirrt, beweist eine amerikanische Firma mit dem Namen TEXZON. Dieses Unternehmen unter der Leitung eines ehemaligen Generals hat sich zum Ziel gesetzt, Energie zwischen zwei beliebigen Punkten auf der Erde zu übertragen, notabene im 160m Band! Ein Kraftwerk soll dabei einen Sender betreiben, der so genannte Zenneck-Wellen aussendet. Diese sollen dann mit entsprechenden Empfängern überall auf der Erdkugel empfangen werden.
Jonathan Zenneck war ein deutscher Physiker, der sich mit Hochfrequenz und Wellenausbreitung befasste.
Zenneck Wellen, so wird in einer ziemlich abstrusen Abhandlung beschrieben, würden sich unterschiedlich von Grund- und Raumwellen ausbreiten. Sie würden die Erde als verlustlosen Wellenleiter benutzen, ohne als elektromagnetische Wellen abgestrahlt zu würden.
Beim Lesen der Erklärungen von TEXZON hat sich mein Gehirn dermaßen verknotet, dass ich immer noch daran bin, die Ordnung in meinem Hirnkasten wieder herzustellen.

Eine weitere HF-Blüte, die seit einiger Zeit durch den imaginären Aether geistert, ist ein Raketentriebwerk, das mit Mikrowellen-Energie läuft. Es soll Raumschiffe auf unvorstellbare Geschwindigkeiten beschleunigen und so Reisen nach Alpha Centauri möglich machen.
An diesem EM-Drive sollen unter anderen auch die NASA und die Chinesen forschen.
Das Verrückte daran ist, dass niemand schlüssig erklären kann, wie das Teil funktioniert. Denn es ist ein Triebwerk aus dem nichts rauskommt. In eine Blechkammer werden Mikrowellen eingespeist, die darin zwischen den Wänden hin- und her reflektieren. Was dabei zum Vortrieb führt, entzieht sich der bekannten Physik.

Leider sind nicht alle HF-Blüten so lustig. Eine, die uns Funkamateuren immer wieder zu schaffen macht, ist PLC - Power Line Communication. Diese Art der Kommunikation, bei der Hochfrequenz über nicht abgeschirmte Kabel verschickt wird, muss einem kranken Ingenieurgehirn entsprungen sein. Dabei wird der ganze Kurzwellenbereich benutzt und ein Teil der Energie natürlich abgestrahlt. Diesen Müll können wir dann in unseren Empfängern hören.
Doch nicht nur die Stromleitungen der Hausinstallation werden für die Datenkommunikation im Kurzwellenbereich missbraucht, auch die Telefondrähte. Auch diese sind in der Regel nicht abgeschirmt und strahlen wie Langdrahtantennen.
Es soll sogar Funkamateure geben, die sich sowas freiwillig ins Haus holen und dann auf den Bändern lauthals über die Störungen jammern. Diesen OM sollte man die Lizenz wegnehmen.

Wie sich das anhört, könnt ihr im folgenden Video hören. Irgendwo in meiner weiteren Umgebung wird so ein Unding betrieben. Glücklicherweise weit weg von meiner Antenne und mit ausgesparten Amateurfunkbändern. Ja, sogar das 11m CB-Band wurde verschont, wie im Video zu hören ist:

   

Der Datenmüll ist glücklicherweise nur schwach zu hören. Um ihn mehr hervorzuheben, habe ich den Vorverstärker eingeschaltet und drehe in AM über den KW-Bereich - angefangen bei 29.7 MHz.
Wehe dem. der sowas im Haus oder nebenan hat. Dann kommt das grausige Gebrabbel auch auf den Funkbändern hoch, wie das Murmeln einer Bande Orks.

Sonntag, 11. Februar 2018

FT-817 aufgemotzt





Der FT-817 wurde Ende 90er entwickelt und kam 2001 auf den Markt. Nach fast zwei Jahrzehnten ist er in seiner Klasse immer noch konkurrenzlos. Zwar gibt es den KX3 auch mit dem 2m Band, doch das 70cm Band fehlt.
Wie bei den meisten Geräten, hatte auch der FT-817 zu Beginn an Kinderkrankheiten zu leiden. Die Endstufe ging leicht kaputt und konnte sich wegen Schwingneigung schon bei Unterspannung verabschieden. 2004 kam dann die verbesserte Version FT-817ND, die in der Endstufe anstelle der 2SK2975 die MOSFET RD07MVS1 beschäftigt.
Dieser Transistor ist wesentlich robuster. Ich benutze ihn ebenfalls in meinem IC-7400 als Treiber. Allerdings dort mit weniger Ruhestrom, als im Service-Manual verlangt. Der hat nämlich bei seinen Vorgängern zum Exitus geführt.
Diese Vorgänger waren - wie könnte es anders sein - auch die unzuverlässigen 2SK2975.

Im FT-817ND werkeln die beiden SMD-Transistoren nur auf Halblast. Die PA könnte spielend 10W bringen und lässt sich über das Service-Menü auch entsprechend modifizieren. DK9VZ zeigt auf seiner Webseite, wie das geht.
Natürlich kann auch dieser Transistor den Hitzetod sterben und im FT-817 ist die Kühlung bescheiden. Deshalb empfiehlt auch DK9VZ, mit 10W keine Dauerbetriebsarten wie FM oder digitales "Zeug" zu fahren und den 10W Betrieb auf SSB und CW und auf Kurzwelle zu beschränken. Doch das ist kein Problem, kann man doch die einzelnen Leistungsstufen entsprechend einstellen.
Diese Modifikation habe ich zwar ausprobiert, aber inzwischen benutze ich eine kleine PA, wenn ich mehr Leistung haben will. Sie läuft mit zwei völlig unterbeschäftigten VRF2933 und 24-28 Volt und ist deshalb praktisch unkaputtbar.

Wer weiss, ob und wann das eierlegende Wollmilch-Mini-Schwein noch auf dem Markt bleibt. Aber es hat gute Chancen, auch noch sein drittes Markt-Jahrzehnt zu erleben.
Allerdings werden die Ersatzteile langsam zu einem Problem. Wer die PA-Transistoren ersetzen muss, bekommt nur noch NOS, und wer noch ein CW-Filter nachrüsten will ebenfalls. Denn Collins hat die Fabrikation mechanischer Filter schon 2015 eingestellt. In einem zukünftigen Occasionsmarkt werden deshalb FT-817 ohne CW Filter wohl drastisch an Wert abgeben. Wer noch kein Filter drin hat, der sollte jetzt noch zugreifen.

OT zum Sonntag:
Ein Bayrischer Ex-Politiker zur derzeitigen Muppet-Show in der NZZ. Achtung Linke: das ist ein "böser" Rechter. Dafür bringe ich nächstes Mal was von der Sahra, meiner deutschen Lieblingspolitikerin ;-)))



Donnerstag, 8. Februar 2018

Kiwi - ein Web SDR für jedermann



Herzliche Gratulation, unser grosser Kanton hat eine neue Regierung und Frau Merkel hat es wieder geschafft. Auch viele andere wohlbekannte Gesichter sind wieder dabei - eine Garantie für ein stabiles "Weiter so". Zudem bekommt DL nun ein Heimatministerium und dazu als Gegengewicht Herr Schulz als EU-Minister.

Aber Spaß beiseite, das hier ist ja kein Polit- sondern ein Amateurfunkblog.

Vielleicht seid ihr schon auf den Kiwi gestoßen? Nicht die Frucht oder den gleichnamigen Vogel, sondern den SDR-Empfänger.
Der Kiwi ist kein gewöhnlicher SDR. Man kann ihn nämlich direkt ans Internet anschließen. So kann sich die ganze Welt bei euch einloggen und sehen, was eure Antenne alles aus dem Äether fischt. Zwar ist der gleichzeitige Zugriff meistens auf vier User beschränkt, dafür kümmert sich der Kiwi darum, dass die dynamische Zuteilung der IP-Nummer eures Internetanschlusses keine Fisimatenten macht.
Vier gleichzeitige Hörer auf eurem SDR scheint zwar ein enger Rahmen, dafür sprießen die Kiwis im Internet wie Pilze nach einem feinen Herbstregen. Täglich kommen rund um den Erdball neue hinzu. Die meisten leider nur auf Kurzwelle. Dabei wäre gerade VHF/UHF/SHF für ein enges SDR-Netz interessant. Es ist eher weniger spannend, zwischen dem zu vergleichen, was der Heiner auf 20m hört, mit dem was Reiner 20km weiter empfängt.
Für KW reichen m.E. die klassischen Web-SDR, die wesentlich mehr gleichzeitige Hörer verkraften können.

Wer sich mal die Kiwis anschauen und anhören möchte: Hier sind sie - offen für jedermann. Denn zum Hören braucht es keinen Kiwi.

Und hier geht's zu dem Gerät. Kaufen kann man es im Laden. Zwar nicht bei Aldi oder Lidl, aber zum Beispiel bei Wimo.



 Zum ersten Video: Funkamateure brauchen Englisch. Wer seine Kenntnisse verbessern und dabei auch noch was zum Lachen haben möchte, dem kann ich diese Serien empfehlen.
 Zum zweiten: das passt auch zum Thema Sprache ;-)

Mittwoch, 7. Februar 2018

Basteltipps


Das Bilderrätsel des letzten Posts wurde gelöst. Die erste Nachricht mit der richtigen Lösung kam von Ekki DK2CH und hiess Silizium. 
Das Teil hat eine Reinheit von 99.99% wie sie für Solarzellen benötigt wird und kommt natürlich nicht so in der Natur vor. Wenn ihr also etwas ähnliches im Wald findet, ist es ein Stück zusammengeknüllter Alu-Folie.
Für die Herstellung von Halbleitern muss die Reinheit aber sehr viel höher sein: 99.999999999%.



Apropos Halbleiter: Gerade ist eine Sendung von RD15HVF1 aus Griechenland eingetrudelt - NOS.
Dieser MOSFET, der von KW bis ins 70cm Band 15 Watt liefern kann, ist bei Bastlern sehr beliebt, obwohl es heutzutage Besseres gibt. Doch die neuen Typen sind allesamt in SMD ausgeführt und welche Schwierigkeiten man damit haben kann, habe ich hier beschrieben. Ich musste nämlich in meinem IC-7400 die Treibertransistoren auswechseln - ein paar RD07MVS1. Ich glaube nicht, dass ich das ein zweites Mal tun würde.
Genau aus diesem Grund ist der alte RD15HVF1 in Bastlerkreisen so begehrt. Man kann ihn einfach auf ein Kühlblech schrauben. Zudem läuft er mit 12 bzw 13.8V.
Leider wird das Teil nicht mehr fabriziert und hat deshalb die chinesische Fake-Industrie auf den Plan gerufen. Auf Ebay zu kaufen ist also ähnlich wie ins Casino zu gehen und beim Roulette auf eine Zahl zu setzen. Der einzige zuverlässige Lieferant, der mir im Moment noch einfällt, ist die BOX73. Mal sehen, wie lange der NOS dort noch reicht.

So ein Teil habe ich auch in meinem "Zwischi" eingesetzt, dem Transverter, der meinen IC-7300 von 72 MHz ins 432 MHz Band bringt. Zwischentransverter habe ich ihn genannt, weil ich damit u.a. den 3cm Transverter von Kuhne ansteuern kann. Der 7300er ist also jetzt auf 10 GHz QRV und hat schon die ersten QSO's bestanden. Hier ist der Zwischi in Steampunk-Technik nochmals zu sehen, zusammen mit seinem Schema:

Leiterplatten sind zwar eine tolle Sache. Aber bis ich die gezeichnet und bestellt habe, ist der Prototyp schon längst gelötet und x-mal geändert ;-)
Und da auch eine Leiterplatte eine vernünftige Abschirmung braucht, löte ich das Ganze gerade in ein Blechgehäuse. Teile von Leiterplattenmaterial werden als Stützpunkte verwendet und das scharfe Auge kann sogar hie und da SMD-Komponenten erkennen, die Verwendung finden.
Nebst Kondensatoren natürlich die MMIC PGA-103+. So ist denn alles bis auf den RD15HVF1 in 50 Ohm Technik zusammengeschustert und ziemlich problemlos, von einigen Attaken von Herrn Murphy abgesehen. Aber das habe ich ja schon hier beschrieben und will euch nicht weiter damit langweilen. Auch den zugehörigen Lokal Oszillator habe ich hier beschrieben.
Nur noch ein Tipp für die Bastler unter euch:
Wer anstatt 50 Ohm Module diskrete Transistoren vorzieht und dann komplexe Impedanzen anpassen muss, dem kann dieses Tool helfen - es frisst sogar S-Parameter.

In diesem Zusammenhang ist es wieder Zeit, eine Warnung auszusprechen: Meine Schaltungen funktionieren in meinem Shack, ob sie auch bei euch funktionieren würden, entzieht sich meiner Kenntnis ;-)

Bild: Knapp über dem Nebel auf 650m.


Montag, 5. Februar 2018

IC-7610 alter Wein in neuen Schläuchen?





Bei neuen Transceivern ist immer auch Altes dabei - die Hersteller würden sagen: Altbewährtes.
Denn Entwicklungen sind teuer und die Stückzahlen im Amateurfunk sind klein im Vergleich zu Mainstream-Produkten. Nach Herstellkosten, Marketing&Sales, Overhead und den Margen der Händler und Zwischenhändler bleibt nicht mehr viel übrig. Wohl wesentlich weniger als 100$ pro Transceiver, wenn wir mal den IC-7300 als Beispiel nehmen. Damit muss die Entwicklung amortisiert werden. Und da ist nicht nur das Salär der Entwicklungsingenieure und Konstrukteure zu bezahlen. Es geht unter anderem auch um neue Spritzwerkzeuge und Erneuerung der Laborausrüstung, um nur einige Posten zu nennen.
So findet man oft viele Baugruppen kaum verändert auch in der nächsten und übernächsten Gerätegeneration. Zum Beispiel die Senderendstufe. Im Kampf um einen Spitzenplatz in der Sherwood-Liste findet sie keine Beachtung. Die meisten OM schauen sich ohnehin nur die Empfängerdaten an. Ob der Seder splattert wie vor dreissig Jahren, interessiert nur einige Freaks.

Icom hat in den IC-7300 viel Entwicklungsarbeit gesteckt. Im Gegensatz zu anderen Entwicklungen konnte nur wenig von Vorgängern tel quelle übernommen werden. Den Transceiver als Wegbereiter zu einem niedrigen Preis auf den Markt zu bringen war ein strategischer Entscheid. Dafür wird nach der Penetrationsstrategie mit den Nachfolgern jetzt Skimming betrieben. Der IC-7610 muss wohl auch einen Teil der Entwicklungskosten für den IC-7300 übernehmen.

Wie auch immer: das sind natürlich Spekulationen ;-)

Zu diesem Thema noch zwei Zuschriften, die ich erhalten habe:

Hallo Anton,

Ich wollte Dir diese Nachricht gerne über funkperlen.blogspot.com
zukommen lassen. Aber Kommentar nur mit Google-Konto?! Nicht Dein
Ernst, oder?
Herzlichen Dank für Deinen kompetenten Kommentar zum Empfänger des
IC-7610.
Leider hast Du die Senderseite völlig vergessen: eine
12V-MOSFET-Endstufe ohne Predistortion mit einem IMD3 von etwa -35dB
ist Stand der Technik von vor 20 Jahren!
Vy 73 de DM2TA



Hallo Anton,
ursprünglich wollte ich mir auch den IC-7610 zulegen.
Icom-Japan hatte ihn mal mit -10% unter dem Preis des IC-7600 geplant,
jetzt liegt er ca. 20% über dem IC-7600-Preis.
!!! Nix mit hau wech die Kröten !!!
Die anderen Punkte hast Du schon sehr gut beschrieben und die Vorteile
liegen im wesentlichen auf der Rückfront.
Hier noch eine Info zum IC-7300 (hat DB6NT sh PDF) entwickelt.
Damit lassen sich alle Transverterprobleme lösen. Ich werde meine 630m-PA
dafür umrüsten.

vy 73 de Ekki DK2CH


Bilderrätsel: Was ist das?

Samstag, 3. Februar 2018

Soll ich einen IC-7610 kaufen?



Das ist eine Frage, die sich sicher viele OM stellen. Für die einen wäre es der Einstieg in die SDR-Welt. Sie arbeiten noch mit einem klassischen Transceiver, vielleicht gar ohne Spektrum- und Wasserfallanzeige. Für andere wiederum, die bereits stolze Besitzer eines IC-7300 sind, wäre es einfach ein Upgrade.
Doch was spricht dafür und was dagegen?

Für DXer und Contester ist der Fall klar. Ein vollwertiger Zweitempfänger ist für sie ein Muss. Weniger ambitionierte Funkamateure können gut darauf verzichten, auch wenn sie sich ab und zu in ein Pile-up stürzen, um ein seltenes DX zu ergattern. Für die "Gelegenheitsamateure", die bereits mit einem SDR arbeiten, ist der Zweitempfänger nicht dringend, haben sie doch auf dem Bildschirm das Pile-up jederzeit im Blick. Auf jeden Fall dürfte dieses Feature den mehr als doppelten Preis gegenüber dem IC-7300 kaum rechtfertigen. Ausser für die OM, die im Geld schwimmen wie Dagobert Duck in seinem Geldspeicher in Entenhausen.

Natürlich ist der Zweitempfänger nicht der einzige Vorteil des grossen Icom-SDR gegenüber dem IC-7300. Ein wichtiges Argument ist der mitlaufende Preselector für den Empfänger. Denn SDR-Empfänger haben einen Nachteil, der oft verschwiegen wird: Der AD-Wandler hat eine begrenzte Kapazität. Stehen zu viele starke Signale an seinem Eingang an, gehen ihm die Bits und Bytes aus. Er reagiert mit einem "Rien ne vas plus" und ein ordentlicher Empfang ist vor lauter Phantomsignalen nicht mehr möglich. Beim IC-7300 kann das vor allem an grossen Antennen geschehen, denn seine fixen Bandfilter sind breit wie Scheunentore. Da reicht Radio China abseits der Amateurbänder und die OVL-Anzeige (Overload) beginnt zu flackern. Auf dem Display und im Lautsprecher bricht dann das Chaos aus. Ich habe in diesem Blog mehrfach darüber berichtet und mir in der Folge einen externen Preselector gebaut, um Abhilfe zu schaffen. Denn ohne nützt auch ein superguter Dynamikumfang bei 2 kHz Abstand nichts, trotz Sherwood Liste.
Der IC-7610 wird in dieser Hinsicht wesentlich besser sein. Da lehne ich mich mal hoffnungsvoll weit aus dem Fenster.

Ob Icom auch an anderer Stelle nachgebessert hat, werden die ersten Testberichte zeigen. Die Rauschunterdrückung (NR) und die Störaustastung (NB) sind ja bereits beim IC-7300 sehr gut und gehören bei dem Kleinen zu den starken Seiten. Auch die ZF-Filter sind ausgezeichnet, sodass da vermutlich kein grosses Potential mehr vorhanden ist.

Aber der IC-7610 hat ja noch mehr zu bieten. Eine grössere Anzeige zum Beispiel, 7" statt 4.3". Dazu eine vereinfachte Bedienung. Auch sie dürfte den "Profiamateuren" zusagen: Die Bänder sind direkt über ein Tastenfeld wählbar. Die Morse-Geschwindigkeit lässt sich über einen eigenen Regler einstellen. Man braucht dazu nicht mehr auf dem Bildschirm rumzutappen. Das gleiche gilt für den RIT, der beim IC-7300 über den Multiknopf bedient wird. Nur einen Leistungsregler sucht man beim IC-7610 vergebens. Schade, den haben sogar meine IC-746/IC-7400 auf der Frontplatte.

Gute Gründe für den Kauf eines IC-7610, beziehungsweise für einen Upgrade vom IC-7300, sind auf der Rückseite des Transceivers zu finden. Ein zweiter Antennenanschluss und ein separater Empfängereingang, sowie einen Anschluss für einen Transverter. Auch ein Eingang für eine externe 10 MHz Referenz fehlt nicht. Und für Telegrafisten wichtig: nebst dem Paddle lässt sich auf der Rückseite eine normale Taste anschließen. Etwas was ich beim IC-7300 vermisse, kann ich doch mit dem Paddle nicht langsam geben. Bei Tempi unter 80 bekomme ich den Krampf in den Gehirnwindungen und wechsle dann gerne auf den alten Klopfhammer. Für Telegrafisten, die nicht morsen können, lässt sich ein Keypad anschliessen. Ob der IC-7610 für "full break in" wie der 7300er ein Klapperrelais hat oder eine lautlose Diodenschaltung, konnte ich leider nicht herausfinden. Aber das wird sicher nächstens in einem Testbericht geklärt werden.

Reichen all die Goodies für einen Upgrade vom IC-7300 auf den IC-7610?
Für mich muss ich diese Frage verneinen. Mehr als den doppelten Preis ist mir all das nicht wert.
Für den OM, der sich nach Jahrzehnten auf seine Pensionierung mal was Neues leisten und damit auch in die SDR-Technik einsteigen will, könnte die Antwort aber Ja lauten.
Schließlich läuft es auf eine Geldfrage hinaus. Wieso sollte ich mich in einem VW zum Affen machen lassen, wenn ich mir einen Benz leisten kann?

Hier gehts zu der englischen Broschüre und den Manuals.

Bild: Nein, kein Irrtum. Der Flex 6600M ist sicher ein valabler Konkurrent zum IC-7610.

  

Donnerstag, 1. Februar 2018

Von Büchsen und anderen Dingen


Manchmal kommen Kommentare von Lesern daher wie die alte Fastnacht. Sind doch gefühlt Jahrhunderte vergangen, seit ich ein paar Sätze über den IC-7610 geschrieben habe.
Nun ist dazu ein Kommentar eingetrudelt, den ich euch nicht vorenthalten möchte:

Peter hat einen neuen Kommentar zu dem Post "Der neue ICOM IC-7610" hinterlassen: 

Tja. Ich habe beide Büchsen. Und einen IC-7600.Und einen K2. Und einen KXe. Einen TR4C. Eine 'C' Drakeline. Einen Perseus.....
Ehrlich. Völlig egal, was Anton, Sherwood und andere sagen:
Der IC-7300 und auch der FT-991(A) sind in ihrer Preisklasse absolut preiswerte und vor dem Hintergrund des Preises absolut empfehlenswerte TRXe. Man muss halt sorgfältig seine Bedürfnisse analysieren. Geht bei mir nicht, da ich der Meinung bin, dass derjenige, der am Ende das meiste Spielzeug besitzt, gewonnen hat. Gottseidank bin ich seit 45 Jahren in festen Händen.
Ich bin nun nicht gerade ganz unbedarft, was Contest und grenzwertiges DX angeht. Aber der 7300 macht generell eine gute Figur. Natürlich kann man an den Schrauben drehen. Du Anton, hast den Preselektor komplett selbst gebaut. Ich habe schlicht eine Buchse aus einem FA-SDR geknipst und den (recht guten) Preselektor alà BCC verwendet. Wie sagte der Herr Bush jr.? Mission accomplished. Der 7300 kann sich nun mit allen anderen meinen ( und ein paar anderen )Büchsen messen. Wie er in beiden CQWW's eindrucksvoll bewiesen hat.

Keine Ahnung wer Peter ist und welches Rufzeichen er hat. Aber ich bin natürlich mit seiner Meinung einverstanden: Am Ende geht es nur darum, wieviele Kisten Büchsen der OM hat ..... und seine Erben entsorgen müssen ;-)
Der 7610er hat ja mit ziemlicher Verspätung das Licht der Funkerwelt erblickt. Aber immerhin gibt es schon ein paar Kommentare dazu auf Eham. Die meisten im 5/5-Bereich. Die kritischen Geister gehören in der Regel nicht zu den Early Birds. Trotzdem: mir scheint, der Zauber des 7300 fehlt.

Mein IC-7300 hat derweil eine neue Aufgabe gefasst. Denn auf KW bin ich mit meinem Tower vollauf zufrieden. Diese Geräte brauchen nämlich keinen Preselector, damit sie bestimmungsgemäß funktionieren. Darum macht der IC-7300 nun die Mikrowellen unsicher. Denn dort erschließt seine Wasserfallanzeige eine neue Dimension. Auf einen Blick sieht man, was los ist. Stationen sind dort oben - auf 23 und 3cm - sehr dünn gesät. Da möchte man keinen Pieps verpassen. 
Die Wasserfallanzeige ist - je nach Bandbreite - sehr empfindlich und oft sieht man bereits die Signale, bevor man sie decodieren kann.

Im folgenden Video ist die Bake HB9EI/B auf dem Monte Tamaro zu sehen, die ich Dank Diffraktion an den Alpenkämmen mit einem kleinen 33cm Sat-Spiegel empfangen kann. 

  
Natürlich kann der IC-7300 auf 23cm und 3cm nicht nur hören, sondern auch senden. Dazu habe ich ihm einen Zwischentransverter gebaut, der das Signal von 72 auf 432 MHz umsetzt. Die 432 MHz werden dann in einem Kuhne-Transverter mit nachfolgender Endstufe auf 10 GHz verwurstelt.
So sieht der "Zwischi" aus: 


Eine typische Steampunk-Konstruktion wie man sie vermutlich auch im Viktorianischen Zeitalter schon gebaut hat. Nur gab es damals noch keine Dioden-Ringmischer und keine MMIC's in 50 Ohm Technik. 
Ich weiss, dass viele von euch technische Details langweilen. Daher nur kurz: 
In der untersten Kammer ist der Empfangsvorverstärker mit zwei PGA-103+ und einem Bandpassfilter zu sehen. In der Kammer darüber befinden sich die 5V-Stromversorgung für die PGA's, die S/E-Umschaltung für 72 MHz, Dämpfungsglieder und zwei Mischer - einer für Senden, der andere für Empfang, sowie ein simpler Leistungsteiler mit Widerständen. Da meine Bastelkiste keine Ringmischer-Not kennt, habe ich auf einen gemeinsamen Mischer mit Umschaltung verzichtet.

In der dritten Kammer befindet sich der Sendetreiber mit zwei PGA-103+ und einem Bandpassfilter, sowie die Basisspannungserzeugung für den PA-Transistor in der obersten Kammer.
Dort sitzt ein RD15HVF1 mit dem S/E-Relais für 432 MHz.

Der IC-7300 ist im 70 MHz nicht gerade ein Wunder an Sauberkeit, wie folgendes Spektrogramm zeigt:


Trotzdem gut genug, da die in Serie geschalteten Transverter genügend selektieren.

Zum Schluss noch ein wenig Off-Topic Spaß. Nein, kein Bätscheler und kein Duschgel-Camp, auch keine spanischen Sex-Gedichte auf Hochschulen oder vergaste Affen. Der Ozzy Man ist immer ein Genuss...und sprachlich so herrlich unkorrekt:


Hütet euch vor Stieren und dem Krölle Bölle ;-)

  

Donnerstag, 25. Januar 2018

Funken mit Backfolie



Dass der Deckel auf meiner Wok-Schüssel für 3cm Wellen nicht ganz transparent ist, hatte ich bereits erwähnt. Zwar ist die Dämpfung mit nur dreiviertel dB gering. Doch von Wok zu Wok summiert sich das schon auf anderthalb dB.
Glücklicherweise hatte Willi HB9PKZ einen "Insider-Tipp" für diesen Fall parat:
Die Dauer-Backtrennfolie von Migros.
Sie ist auch bei 10 GHz noch absolut durchsichtig und zugleich ein guter Wetterschutz für die Antennenschüssel oder das Horn.
Nachdem Christoph HB9DTZ eine entsprechende Halterung konstruiert hatte, stand der Montage nichts mehr im Wege:


Natürlich merkt man 0.75dB kaum. Doch im Mikrowellengebiet läppern sich die einzelnen Verluste gerne zu grösseren zusammen. Kabel, Stecker, Adapter, Relais etc. sind alle nicht verlustfrei, und plötzlich sind 3dB weg und der OM wundert sich. Da lohnt es sich, pingelig zu sein.


Video: Der Funker Kongress. Danke Philipp HB9EYW




Montag, 22. Januar 2018

Die Quanten-Antenne



Die beliebtesten Rubriken hier im Blog sind "Funken ohne Antenne", "Klatsch und Tratsch" und "Neue Funkgeräte". So belegt zum Beispiel der Artikel "Eine unsichtbare Antenne für Kurzwelle" einen Dauerplatz in der Hitliste. Er wurde bereits 31745 mal aufgerufen.

Ja, wenn diese doofen Antennen nicht wären, dann wäre Funken ein Kinderspiel: Nur die richtigen Knöpfe am teuren Kaufgerät drücken und schon ist das begehrte DX im Kasten.
Könnten die Hersteller nicht mal was erfinden, um die Antenne direkt in den Transceiver einzubauen? Oder zumindest eine Gummiwurst hinten anzupfropfen, wie das bei den UKW-Handy's der Fall ist?

An Tüftlern hat es bisher nicht gefehlt, die versuchten, die Maxwellschen Gleichungen neu zu definieren und eine Art parallele Physik zu etablieren. Als Liebhaber von Science Fiction und Steampunk-Literatur habe ich dafür ein gewisses Verständnis und berichte in diesem Blog immer wieder über diese Wunder. Ich bin auch fasziniert über die anekdotischen Berichte aus diesem alternativen Antennen-Universum.
Interessant für von Störungen geplagte OM könnte z.B. die Tesla-Antenne sein. Vielleicht beseitigt sie auch VDSL-Noise?

Vermutlich wird das nächste Antennenwunder aber etwas mit Nanoröhren oder Quantenphysik zu tun haben. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Quanten-Antenne?

In der Zwischenzeit werden wir aber weiterhin alles Mögliche mit Hochfrequenz speisen und versuchen zum Strahlen zu bringen. Blitzableiter, wie im eingangs erwähnten Artikel, Dachrinnen oder Zäune und Leitern. Alles was Strom leitet, kann auch als Antenne dienen.
Damit zu experimentieren macht Spaß und solange nur kleine Leistungen - wie bei WSPR - für diese Versuche verwendet werden, wird auch niemand dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Außer
vielleicht der Operateur, wenn dieser versucht, übers Stromnetz zu senden. Das ist zwar durchaus eine Möglichkeit - die Kraftwerke senden ihre Steuersignale auch übers Netz - doch ist davon dringend abzuraten.

Wer mit Antennen experimentiert, braucht neben Kreativität und einem Grundstock theoretischen Wissens vor allem eins: einen Antennen-Analysator.

Die gibt es in der Zwischenzeit zuhauf. Der letzte Schrei kommt von RigExpert. Ein Low Cost Analyzer ohne Gehäuse und ohne Anzeige. Trotzdem kann er alles was andere auch können und sogar ein bisschen mehr.

Bild

Freitag, 19. Januar 2018

Der 36x unter der Lupe

Nun habe ich mich hinter das CAD Programm gesetzt und das Schema des "Versechsunddreissigfachers" gezeichnet. Doch meine Geduld und Eignung als Zeichner haben Grenzen und ich bitte deshalb, die überflüssigen Punkte und andere Unebenheiten zu übersehen:

Das Teil zieht übrigens 100mA bei 13.5V und liefert bei 360 MHz etwa +15dBm. Also mehr als genug, um damit einen Transverter zu versorgen.

Die spektrale Reinheit mit allen Nebenwellen bei -40dB oder darunter scheint mir für meine Zwecke gut genug. Wichtiger ist das Phasenrauschen. Das ist sowohl bei meinem Rubidium-Normal wie auch beim Doppelofen OCXO von Oscilloquartz recht tief. Und so wie es scheint, wird dieses durch den 36x nicht wesentlich verschlechtert.

Hier das 10 MHz Signal des OCXO:


Wer misst misst Mist, die Spikes im Bild habe ich wahrscheinlich irgendwie eingeschleppt. Doch sehen wir uns mal das 360 MHz-Signal am Ausgang des 36x an:


Da hat es ja noch mehr Spitzen. Zu Beginn hatte ich einen ganzen Lattenzaun davon, bis ich gemerkt habe, dass diese von meinem Netzgerät stammen. Wie auch immer: wir sehen, dass der 36x das Signal nicht wesentlich verschlechtert. Ob ich das so mit einem PLL hingebracht hätte, ist ein großes Fragezeichen.
Doch schauen wir uns zur Sicherheit die beiden Signale noch aus der Nähe an: bei 2 kHz Bandbreite:


Zum Schluss noch ein Wort zu den OCXO.
Die Dinger sind teuer, wenn man sie neu kaufen will. Typen, die vergleichbar mit dem 8663 von Oscilloquartz sind, der nur mehr gebraucht erhältlich ist, können gut gegen tausend Franken kosten. Für ein neues Rubidium-Normal muss man einen ganzen Bund Tausendernoten auf den Tisch legen.
Und da es Tausender nur noch in der Schweiz gibt und kaum ein OM davon übrig hat, sucht man seine Referenzfrequenz am besten auf Ebay.
Alternativ kommt aber auch ein GPS gesteuertes Frequenznormal in Frage.

Nun freue ich mich schon auf den nächsten Schritt: auf den 70cm Transverter für den IC-7300. Damit kann ich dann auch den 23cm und 3cm Transverter ansteuern.
Doch wieso dieser Aufwand?
Gerade auf den Mikrowellenbändern ist eine Spektrum- und Wasserfallanzeige Gold wert ;-)

Ja, ich weiß, das ist alles so unsagbar trocken technisch. Dafür gibt's zum Wochenende noch eine Portion Schadenfreude:






OCXO multipliziert


Eine stabile Referenzfrequenz ist eine tolle Sache, und wer einen Transceiver oder Transverter für VHF/UHF und Mikrowellen betreibt, benötigt eine - je höher die QRG, desto dringender.

Die meisten hochwertigen Referenz-Oszillatoren liefern 10 MHz, krumme Frequenzen sind schwer aufzutreiben. Darum liefern die meisten Hersteller für ihre Transceiver Referenz-Oszillatoren, die man für teures Geld dazu kaufen kann. Nur hochwertige Geräte haben so ein Teil bereits eingebaut. Entweder handelt es sich dabei um einen TCXO oder OCXO.

Wo liegt der Unterschied?

Ein TCXO (Temperature Controlled Xtal Oscillator) misst die Temperatur und stimmt den Oszillator entsprechend nach. Heutzutage wird aus einem internen Speicher die Temeperaturkurve des Quarzes ausgelesen und der Oszillator mittels einer Kapazitätsdiode nachgestimmt. In der Regel ein günstiges und kleines Teil mit geringem Stromverbrauch.

Ein OCXO (Oven Controlled Xtal Oscillator) heizt den Oszillator auf eine bestimmte Temperatur und hält sie dort. Ein großer, teurer Energiefresser, aber dafür stabiler als ein TCXO. Benötigt im Gegensatz zu diesem jedoch eine Aufheizzeit.



Wie hier berichtet, setzte ICOM vor allem auf OCXO, heizte aber nur den Quarz und nicht die gesamte Oszillatorschaltung. Das Resultat ist deshalb bescheiden.

Zurzeit bin ich daran, einen 70cm Transveter für meinen IC-7300 zu bauen. Natürlich mit höchstmöglicher Frequenzstabilität. Sonst wird das nix mit den modernen digitalen Übertragungsarten wie WSPR oder FT8.

Meistens wird für einen 70cm Transverter eine ZF von 28 MHz benutzt. Für den Betrieb auf 432 MHz bedeutet das eine Lokaloszillator-Frequenz von 404 MHz.

Genau da lag der Hase im Pfeffer: wie kontrolliere ich mit meinem 10 MHz Referenz-Oszi die 404 MHz.
Mit einem PLL werdet ihr nun sofort einwerfen. Doch OM Anton hat noch nie einen PLL gebaut. Erfahrungsgemäß würde das eine grössere Übung zusammen mit Mister Murphy und anderen Überraschungen bedeuten.

Glücklicherweise brauche ich eine gewisse Zeit um einzuschlafen und dabei irren immer eine Menge Gedanken durch meinen Hirnkasten.
"Man könnte doch ein Mehrfaches von 10 MHz benutzen", war so einer.
Nun, 404 MHz ist kein Mehrfaches von 10 MHz wie auch dem DAG (Dümmsten anzunehmenden Genie) klar ist. Und nein, das ist jetzt keine Anspielung auf die Politik.
"Mein IC-7300 ist für alle Frequenzen bis 74.8 MHz offen, ich kann auch eine andere ZF als 28 MHz benutzen", war der nächste Gedanke.

Und so begann die Rechnerei. Kurz vor dem Einschlafen hatte ich das passende Resultat: 72 MHz.
Das bedingt 360 MHz für den Lokaloszillator. Und so einen Versechsunddreissigfacher traute ich mir zu. Zuerst die 10 MHz auf 30 MHz verdreifachen, dann auf 90 verdreifachen und dann noch zwei Verdoppler-Stufen et voilà. Pippifax in gewohnter Steampunk-Technik.

Oben im Bild ist das Resultat zu sehen. Mit Material aus der Tiefe der Bastelkiste. Und unten im Bild ist zu sehen, was der Spekrumanalyzer dazu meint.




Fortsetzung folgt (mit Schema).....






Freitag, 12. Januar 2018

Die modernen Wekzeuge des UKW-Amateurs



Ein Teil meiner ehemaligen UKW-Kollegen hat sich irgendwo einen Draht ans Fensterbrett genagelt, dümpelt mit einem Blindenstock rum, oder hat sich total abgemeldet. Einer ist Pilotensimulant am Computer geworden, einer vor dem Fernseher eingeschlafen, einer zum Esoteriker mutiert und ein anderer ist mit einer Antennenphobikerin liiert, nur um ein paar Beispiele zu nennen "So Sad", würde der Präsident mit der besonderen Frisur dazu sagen, den wir bald in Davos begrüssen müssen dürfen.

Dabei macht das UKW-Hobby heutzutage mit dem Internet noch viel mehr Spaß.

Doch was sind die modernen Tools des heutigen UKW-Amateurs, nebst seiner Station und der Antenne?

Da ist zum Beispiel die Beobachtung der Funkbaken. Man findet sie hier. Der OM muss sich zwar registrieren, aber der Service ist kostenlos. Dafür erhält man einen aktuellen Überblick über die Ausbreitungsbedingungen und den aktuellen Betriebszustand der Baken von 6m bis in die höchsten Mikrowellen. Auch wenn das 2m Band das höchste der Gefühle ist, lohnt es sich, diese Seite zu beobachten.

Wer einen Funkpartner für eine Verbindung sucht, sei es auf 2m, 23 oder auf 3cm, ist nicht mehr auf Conteste oder Mister Zufall angewiesen. Der Chat von ON4KST ist täglich voll mit potentiellen Partnern wie bei einer Heiratsvermittlung. Auch hier muss man sich registrieren lassen und der Dienst ist gratis. Die Chats von ON4KST sind die idealen Treffpunkte. Wer ON4KST nicht kennt, verpasst die besten Gelegenheiten.

Wer auf 3cm auf Regenscatter aus ist, sollte unbedingt auf der Seite von TK5EP reinschauen. Dort verpasst der OM keinen einzigen Tropfen. Im Sommer, wenn die Hitze die Kumuluswolken in grosse Höhen steigen lässt, ist für diese beliebte Betriebsart Hochsaison. 10 GHz ist dazu das ideale Band. 5 GHz geht zwar auch noch, doch wesentlich schlechter.

Im 2m Band kommt Regenscatter nicht mehr vor. Dafür gibt es jede Menge anderer interessanter Betriebsarten. Zum Beispiel Verbindungen über Reflexionen an Flugzeugen. Von diesen hat es ja immer mehr in der Luft. Entsprechend gross sind die Chancen, derartige Verbindungen zu tätigen. Frank, DL2ALF, hat ein wunderbares Tool kreiert um diese Verbindungsart vorherzusagen. Gerade letztes Wochenende habe ich wieder einmal staunen dürfen. Ich hatte das Programm gestartet und meine kleine DK7ZB Yagi gegen Belgien gerichtet - auf die Bake ON0VHF. Normalerweise kann ich diese Bake, die von mir 460km entfernt ist, nicht hören. Doch wenn sich ein Flugzeug am richtigen Ort befindet, taucht sie plötzlich aus dem Nichts auf - es ist wie Magie und es haut mich jedes Mal fast aus den Socken, wenn dieses Signal genau dann auftaucht, wenn es Franks Programm vorhersagt!
Übrigens funktioniert Flugzeugscatter auch im 10GHz Band, wie ich beim Empfang der Bake HB9EI im Tessin feststellen kann.

Natürlich spielt auf UKW das Wetter eine entscheidende Rolle. Während 10GHz eher von Regenzellen profitiert, sind es anderswo die stabilen Hochdrucklagen mit ihren Inversionsschichten, die die Ausbreitungsbedingungen anheben. Trotz dem Jura, mit dem 1605m hohen Chasseral vor der Nase, gelingt es manchmal auch von hier aus, eine Verbindung mit England zu tätigen. Sogar auf 23cm. Um keine günstige Wetterlage zu verpassen, empfiehlt es sich, hier oder hier regelmäßig vorbei zu schauen.

Nicht zuletzt gibt es viele, für den UKW-Amateur interessante SDR, mit Empfängern von 6m bis 1.2cm. Ein ideales Tool um seine Anlage oder die Ausbreitung zu testen.

Und natürlich haben auch die modernen, digitalen Betriebsarten auf UKW Einzug gehalten. Nicht nur bei den Big Shots, die ihre Signale via Mond verschicken (EME), sondern auch bei den Small Pistols. Der Spaß mit WSPR, FT8 und Konsorten im 2m Band hat gerade erst begonnen.

Natürlich haben auch die Profis ausgefeilte Tools für die Vorhersage der Ausbreitung im UKW-Gebiet. Oben im Bild ist eine solche Simulation zu sehen. An all diesen Orten, sollte mein 10 GHz Signal zu hören sein. Theoretisch. Die Praxis wird wohl eine etwas abweichende Meinung dazu haben.
Im Alpenraum führt neben der Reflexion, die Diffraktion an scharfen Berggraten zu unverhofften Überreichweiten. Das hat schon Roger Schawinski mit Radio 24 auf dem Pizzo Groppera eindrücklich bewiesen und damit die Regierung in Rage versetzt. Erstaunlich wie rasch solches Wissen infolge der DMR- und Blindenstock-Sedierung bei den Funkamateuren vergessen geht.

Aber lasst uns nicht zu streng sein. Wir könnten ja bei Gelegenheit in den Alpen bei einem Raclette darüber philosophieren:







PS. Man beachte die Flasche mit dem Daumen des "Second Operators" als "Drossel".


Donnerstag, 11. Januar 2018

Der Tod des UKW-Amateurs und die Überquerung der Alpen



UKW-Amateure waren früher eine aparte Spezies. Belächelt durch die "Vollwertigen" - die Kurzwellenamateure - beschränkt auf Wellen, die scheinbar kaum um die nächste Hausecke reichten. Wer die Morseprüfung nicht schaffte, war ein armes Schwein, und das erhielt in der Schweiz ein HB9M Rufzeichen. Später, als die M's ausgegangen waren, kamen dann die P's dran, während die "Vollamateure" zuerst die A's und später die Buchstabengruppen B und C erhielten.

Auch ich gehörte anfänglich zu den Minderbemittelten. Beim ersten Mal, mit 18, hatte ich es "vermorst" und griff dann nach dem Notnagel UKW-Lizenz. Mein Rufzeichen war damals HB9MBS.
Von den morsenden Amateuren nicht für voll genommen, ja manchmal gemieden, fristete ich mein erstes Funkerdasein im 2m Band. In AM und mit einem einzigen Sendequarz. Mehr gab das Taschengeld nicht her. Trotzdem war es eine spannende und lehrreiche Zeit.

Erst beim zweiten Mal klappte es mit dem Morsen und ich stieg auf in die Liga der Erlauchten, die rund um die Welt funken durften.
Trotzdem haben mich die ultrakurzen Wellen nie losgelassen und ich habe sie auch nie ernsthaft im Stich gelassen.

Die Siebziger und Achtziger waren die grosse Zeit der UKW-Amateure. Viele von ihnen waren technisch sehr versiert und gehörten zu der technologischen Avantgarde des Amateurfunks. Nicht die Kurzwellenamateure der Honor Roll waren die treibende Kraft der technischen Entwicklung des Amateurfunks, es waren die oft geschmähten UKW-Amateure.
Die Bänder 2m und 70cm sprühten damals vor Leben. Man funkte in SSB mit horizontal polarisierten Richtantennen über Distanzen, die heute jeden Relaisfunker erblassen lassen würden. Verbindungen von Süddeutschland quer über die Alpen nach Italien waren an der Tagesordnung. es brauchte dazu nicht einmal Tropo-Überreichweiten, die Mehrfach-Diffraktion an den Alpenkämmen reichte vollauf.
Gebaut, experimentiert und publiziert wurde an vorderster Wellenfront. Die Bücher von DJ9HO gehörten damals zu meiner Standard-Lektüre. 

Doch dann war plötzlich Schluss. Innert kurzer Zeit verwaisten die ultrakurzen Bänder, die SSB-Signale wurden immer seltener. Was war geschehen?

Es war die Abschaffung der Morseprüfung, die zum "Tod des UKW-Amateurs" geführt hat.

Plötzlich durften auch die OM, die die Prüfung ohne Morsen bestanden hatten, auf Kurzwelle funken. Dabei spreche ich nicht von den heutigen HB3 oder DO Einsteigerlizenzen. Nein, die HB9M etc.wurden über Nacht zu vollwertigen Kurzwellenamateuren mit 1 Kilowatt auf allen Bändern.

Aus dem scheinbaren Gefängnis der ultrakurzen Wellen entlassen, wollten die meisten von ihnen den Duft der weiten Welt schnuppern und verschrieben sich dem großen DX. UKW verkümmerte. Die UKW-Geräte wurden in den Keller oder auf den Dachboden verbannt.

Inzwischen hatte nämlich noch eine andere Entwicklung eingesetzt:
FM begann SSB zu ersetzen und der Hardcore-Teil unter den UKW-Amateuren begann, Relaisstationen zu bauen. Sie waren ja die Techniker unter den Funkamateuren und hatten das Know-how dazu. Zugegeben, es war ja auch eine spannende Aufgabe - eine grosse Herausforderung.

Hinfort genügte ein weißer Stängel (Blindenstock) auf dem Dach, um die Bedürfnisse des Ortsfunks abzudecken. Mehr war auch nicht nötig - die Kurzwelle erledigte den Rest.

Inzwischen sind viele Jahre ins Land gegangen und es gibt mehr Relaisstationen als es je gegeben hat. Die Relais sind vernetzt, mit dem Internet verbunden und funken jetzt nicht nur in FM, sondern in D-Star, C4FM und DMR. Doch die meisten Stationen rauschen vor sich hin. Die OM haben sich dem Computer zugewandt und die Hardcore-Amateure der nächsten Herausforderung: dem Hamnet.

Doch die Renaissance ist im Gange. Altes wird wieder neu entdeckt, neue Hard- und Software ermöglichen Verbindungen und Experimente im UKW und Mikrowellengebiet, von denen der OM bisher nur träumen konnte.

Drei Faktoren werden m.E. diese Renaissance in den nächsten Jahren verstärken:

1. Die zunehmende Verseuchung der Kurzwellen durch PLC etc.
2. Die "Verdichtung" des Funkamateurs, die keine großen Antennen mehr zulässt.
3. Das Sonnenflecken-Minimum, das die OM in den nächsten Jahren auf die längeren KW-Bänder beschränken wird.

Fortsetzung folgt....

Bild von HB9DTZ: Frequenzsprung eines 10 MHz OCXO beim Lagewechsel.

PS. Während ich diese Zeilen schreibe, höre ich die leisen Signale der Bake auf dem Monte Tamaro im Tessin, 158 km weit weg, auf der anderen Seite der Alpen. Nicht auf Kurzwelle - auf 10 GHz.



Mittwoch, 10. Januar 2018

Au weia



Gerade habe ich die Schweizer Kolumne des Funkamateurs gelesen, in der Markus HB9AZT ankündigt, dass er sich von seiner Aufgabe als Schweizer Korrespondent dieser Zeitschrift zurückziehen wird. Er kündigt darin auch schon seinen Nachfolger an: Hans-Jörg Spring HB9ANF soll in Zukunft im Funkamateur über Schweizer Belange berichten.

Dieser Name hat in meinem Hirnkasten ein Relais aufziehen lassen. Hans-Jörg Spring? Dieser Name kam mir irgendwie bekannt vor. War da nicht mal was?

Vor etwas mehr als zwei Jahren habe ich mich hier bereits mit Hans-Jörg HB9ANF und seinen Aktivitäten und seinen Gegenspielern befasst. Nämlich hier.

Hans-Jörg gehört - milde gesagt - zu den Kritikern der USKA und ist meines Wissens aus dem Verein ausgetreten.
Taucht man an dieser dunklen Stelle im Netz und leuchtet sie mit einem Weblicht aus, so stößt man auf lustige Müsterli. Zum Beispiel dieses Statement der USKA in Sachen Hans-Jörg.

Eindrucksvoll ist die berufliche Laufbahn von Hans-Jörg, wie sie Markus HB9AZT im neusten Funkamateur beschreibt. Allerdings nicht ganz vollständig. Aber wir wollen nicht in uralten Geschichten wühlen.

Auch Markus war in seiner Kolumne ein Kritiker mit spitzer Feder. Hans-Jörg dürfte da in gut markierte Fußstapfen treten und u.a. auch der USKA sehr genau auf die Finger schauen. Da könnte ja vielleicht noch eine Rechnung offen sein. Ich bin gespannt und kaufe mir schon mal eine grosse Tüte Popcorn ;-)

Bild: Kurzschluss

PS. Wer auf dieses seltsame Blog stößt, mag sich fragen, was die Abkürzung QJ bedeutet. Es handelt sich vermutlich nicht um einen verkürzten Q-Code. Ich vermute, es soll Qualitäts-Journalist heißen. Vielleicht wäre der unbekannte Schreiber auch ein Kandidat für den neuen Kolumneur gewesen?

PPS. Gerade habe ich in einer wWüsten Geschichte über Karawanen gelesen, dass der spezielle Q-Code QJ nicht Qualitäts-Journalist sondern Quasi-Journalist heißen soll. Vermutlich bin ich auch einer, obwohl ich nicht versuche, den Anschein zu erwecken ;-)




Samstag, 6. Januar 2018

Der Quarz - das unbekannte Wesen



Kaum ein elektronisches Gerät kommt heutzutage ohne Quarz aus. Auch in unseren Funkgeräten sitzt mindestens einer irgendwo in den Tiefen der Elektronik und gibt den Takt an. Der Quarz ist das Herz eines Transceivers. Er ist ein scheinbar simples elektromechanisches Bauelement aus einem Quarzkristall geschnitten.
Hier einen Vortrag über Quarze zu halten, wäre Wasser ins Meer getragen. Auf Wikipedia gibt es einen ausgezeichneten Beitrag darüber.
Wem das nicht genügt, kann sich kostenfrei das grosse Quarz-Kochbuch herunterladen, das auch die letzte Frage noch beantwortet.

Die Stabilität von Quarzen ist von der Umwelt abhängig, insbesondere von der Temperatur. Darum werden sie oft in einem OCXO (Oven controlled Xtal Oscillator) auf einer konstanten Temperatur gehalten. Xtal ist die amerikanische Abkürzung für Crystal (wie Xmas für Christmas).

Dass Quarze auch von der Erdbeschleunigung, also der Schwerkraft abhängig sind, war mir bisher nicht bekannt. Christoph HB9DTZ ist bei einem Versuch mit seinem OCXO kürzlich darauf gestoßen.
Wird die Lage eines Quarzoszillators im Betrieb verändert - zum Beispiel von stehend auf liegend - verändert sich dessen Frequenz.
Ich habe mit diesem OCXO von Oscilloquartz einen kurzen Test unternommen, nach einer Stunde Aufwärmzeit und einem Abgleich mit einem Rubidium-Normal:


Die Abweichung von der einmal eingestellten Frequenz blieb in meinem Fall jedoch klein: maximal 10mHz bei 10MHz. Das spielt bei den meisten Anwendungen keine Rolle. Auch wenn der OCXO als Referenzoszillator für einen 10 GHz Transverter benutzt wird, muss man mit höchstens 10Hz Abweichung rechnen. Doch wer wirbelt im praktischen Funkbetrieb schon mit seinem OCXO rum?
Diese Eigenart ist daher zwar interessant aber in der Regel irrelevant.

Relevanter ist beim 10 GHz Betrieb da schon die Frequenzstabilität des Steuergeräts - ein 2m oder 70cm Transceiver. Auch der hat in vielen Fällen einen OCXO oder einen TCXO und 144 oder 432 MHz sind ja nichts im Vergleich zu 10368 MHz. Trotzdem sind die Dinger oft nicht sehr stabil.
Ich benutze zurzeit einen IC-475H als Steuergerät, notabene mit eingebautem OCXO.



Doch die ICOM-Ingenieure haben nur einen Pseudo-OCXO als (teures) Zusatzteil gebaut. Ein so genannter No-Brainer. Vielleicht hatten sie schon den gesamten Hirnschmalz bei der Entwicklung des Transceivers verbraten oder den Stift rangelassen.
Denn im Blechgehäuse sitzt nur der Quarz und das Heizelement. Die weiteren frequenzbestimmenden Elemente der Oszillatorschaltung befinden sich außerhalb. Das kritische Element dabei ist die Spule, mit der die Quarzfrequenz gezogen, bzw. genau abgestimmt wird. Um ganz genau zu sein: es ist ihr Ferritkern, der sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen reagiert. Das wäre alles nichts so schlimm, wenn man nicht den halben Transceiver auseinandernehmen müsste, um die Frequenz abzugleichen.
Aber das geht wohl unter Jammern auf hohem (frequenz-) Niveau ;-)

Nach meinen Erfahrungen sind Yaesu-Geräte, die alle mit einem TCXO als Option bestückt werden können, stabiler (z.B. FT-817)

Mit dem OCXO im mittleren Bild habe ich übrigens sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Frequenz kann mit einer externen Referenzspannung genau abgeglichen werden. Es empfielt sich, dazu nicht nur eine gut stabilisierte Quelle, sondern auch ein Präzisions-Mehrgang-Potmeter zu benutzen (ohne Schlupf, bzw. Hysterese).







Dienstag, 2. Januar 2018

Eine 10 GHz Antenne auf dem Prüfstand - Teil 3

Wenn ihr diese Zeilen lesen könnt, seid ihr im Jahr 2018 angekommen und nicht im Übergang, bzw. einer Raum-Zeit-Spalte oder in einem Hilbertraum stecken geblieben. Ich wünsche euch ein friedliches und glückliches Jahr bei bester Gesundheit und weiterhin viel Spaß am besten Hobby der Welt. Hier noch ein Lied aus der Silvesternacht, das noch heute in meinen Ohren nachhallt:


Aber jetzt zum eigentlichen Thema dieses Blogs, das mich auch im neuen Jahr beschäftigen wird: den 3cm Wellen. Die Resultate des Woks liegen nun auf dem Tisch und wie bereits von Willi HB9PKZ vorausberechnet, liegt der Gewinn des Spiegels (die Profis sprechen von Direktivität) bei 29 und nicht bei 30 dB.
Wenn wir Funkamateure den Gewinn einer Mikrowellen-Antenne messen, so bleibt uns in der Regel nichts anderes als eine Messung im freien Feld: in einer Wiese ohne störende Reflexionen (fettes Gras dämpft gut). Als Vergleichs- und Messantenne dient dann ein so genanntes Standardhorn. Denn der Gewinn von Hornantennen lässt sich aus den mechanischen Dimensionen genau berechnen. Leider sind solche Standardhörner aus kommerzieller Produktion unverschämt teuer.
In einer reflexionsarmen Messkammer jedoch, kann der Gewinn - pardon, die Direktivität - aus dem Strahlendiagramm errechnet werden.
Wer sich in diese Materie vertiefen möchte, dem empfehle ich die ausgezeichnete Webseite von Willi.
Er ist hier auf dem nächsten Bild zu sehen, wo er gerade daran ist, den Wok vom Deckel zu befreien:


Willi wird sicher nächstens darüber auf seinem Blog berichten.

Wer sich den Mikrowellen widmet, der begegnet immer wieder dem illustren Herrn Murphy.
Gerade habe ich den neusten Bericht von Christoph HB9DTZ gelesen, der darüber berichtet, dass seine Versuche in den letzten Tagen am Steuergerät - dem 2m Transceiver - gescheitert sind. Die 2m Endstufe seines KX3 bleibt offenbar kalt. Der darin eingesetzte RD15HVF1 macht keinen Wank. Ob Elecraft auch eine Serie Fake Transistoren erwischt hat?
Doch Murphy hat auch bei seinem IC-7000 zugeschlagen und so gilt es, zunächst fundamentale Probleme zu lösen, bevor wieder 3cm Wellen in den Äther gelangen können.

Dafür hat Hansjoerg einen Volltreffer gelandet. Er hat nämlich in den letzten Tagen eine Testbake laufen lassen. Und zwar vom Stockhorn im Berner Oberland. Dazu musste er nicht mal auf den Berg steigen, sondern konnte gemütlich von zuhause aus senden. Er hat nämlich das Stockhorn als passive Bake benutzt, indem er es mit seinem 60cm Spiegel angeleuchtet hat. Bei mir konnte ich ihn mit S9 empfangen und auch auf dem SDR der Hochwacht war sein Signal sehr gut zu hören.
Die Idee, hohe Berge als passive Baken zu benutzen ist nicht neu. So hat zum Beispiel David F1URI erfolgreich eine Bake betrieben, indem er mit seinem 120cm Spiegel und 0.7W den Mont Blanc anvisiert hat. Eine Idee, die es Wert ist, weiterzuverfolgen. An hohen Bergen mit markanten Felswänden mangelt es uns in den Alpen wahrlich nicht.

Mein Horn mit den dicken Backen hat mich etwas enttäuscht. So habe ich denn auf der Südseite - Richtung Alpen und das erwähnte Stockhorn - meinen alten Technisat 33cm Spiegel installiert.
Kopfüber diesmal. Nicht um die Nachbarn zu verwirren, die vielleicht meinen, da habe jemand seine Satellitenschüssel verkehrt herum montiert, sondern damit es mir nicht ins Feedhorn regnet. Aber eigentlich hatte ich in der Eile des Gefechts keine andere Wahl. Die Befestigung vor dem Dachfenster ist auch so schon abenteuerlich genug.


Zum Schluss nochmals die Antenne von Fio HB9DWK, der auf der anderen Seite der Schweiz darauf wartet, dass wir mit ihm ein QSO machen werden. Ein stolzes Ziel für 2018. Und eigentlich das einzige, das ich mir für das neue Jahr vorgenommen habe.
Denn wer sich in meinem Alter als Neujahrsvorsatz noch vornimmt, sich zu bessern, den sollte man unter Beobachtung stellen. Daher habe ich darauf verzichtet.



Fortsetzung folgt....