Samstag, 3. Februar 2018

Soll ich einen IC-7610 kaufen?



Das ist eine Frage, die sich sicher viele OM stellen. Für die einen wäre es der Einstieg in die SDR-Welt. Sie arbeiten noch mit einem klassischen Transceiver, vielleicht gar ohne Spektrum- und Wasserfallanzeige. Für andere wiederum, die bereits stolze Besitzer eines IC-7300 sind, wäre es einfach ein Upgrade.
Doch was spricht dafür und was dagegen?

Für DXer und Contester ist der Fall klar. Ein vollwertiger Zweitempfänger ist für sie ein Muss. Weniger ambitionierte Funkamateure können gut darauf verzichten, auch wenn sie sich ab und zu in ein Pile-up stürzen, um ein seltenes DX zu ergattern. Für die "Gelegenheitsamateure", die bereits mit einem SDR arbeiten, ist der Zweitempfänger nicht dringend, haben sie doch auf dem Bildschirm das Pile-up jederzeit im Blick. Auf jeden Fall dürfte dieses Feature den mehr als doppelten Preis gegenüber dem IC-7300 kaum rechtfertigen. Ausser für die OM, die im Geld schwimmen wie Dagobert Duck in seinem Geldspeicher in Entenhausen.

Natürlich ist der Zweitempfänger nicht der einzige Vorteil des grossen Icom-SDR gegenüber dem IC-7300. Ein wichtiges Argument ist der mitlaufende Preselector für den Empfänger. Denn SDR-Empfänger haben einen Nachteil, der oft verschwiegen wird: Der AD-Wandler hat eine begrenzte Kapazität. Stehen zu viele starke Signale an seinem Eingang an, gehen ihm die Bits und Bytes aus. Er reagiert mit einem "Rien ne vas plus" und ein ordentlicher Empfang ist vor lauter Phantomsignalen nicht mehr möglich. Beim IC-7300 kann das vor allem an grossen Antennen geschehen, denn seine fixen Bandfilter sind breit wie Scheunentore. Da reicht Radio China abseits der Amateurbänder und die OVL-Anzeige (Overload) beginnt zu flackern. Auf dem Display und im Lautsprecher bricht dann das Chaos aus. Ich habe in diesem Blog mehrfach darüber berichtet und mir in der Folge einen externen Preselector gebaut, um Abhilfe zu schaffen. Denn ohne nützt auch ein superguter Dynamikumfang bei 2 kHz Abstand nichts, trotz Sherwood Liste.
Der IC-7610 wird in dieser Hinsicht wesentlich besser sein. Da lehne ich mich mal hoffnungsvoll weit aus dem Fenster.

Ob Icom auch an anderer Stelle nachgebessert hat, werden die ersten Testberichte zeigen. Die Rauschunterdrückung (NR) und die Störaustastung (NB) sind ja bereits beim IC-7300 sehr gut und gehören bei dem Kleinen zu den starken Seiten. Auch die ZF-Filter sind ausgezeichnet, sodass da vermutlich kein grosses Potential mehr vorhanden ist.

Aber der IC-7610 hat ja noch mehr zu bieten. Eine grössere Anzeige zum Beispiel, 7" statt 4.3". Dazu eine vereinfachte Bedienung. Auch sie dürfte den "Profiamateuren" zusagen: Die Bänder sind direkt über ein Tastenfeld wählbar. Die Morse-Geschwindigkeit lässt sich über einen eigenen Regler einstellen. Man braucht dazu nicht mehr auf dem Bildschirm rumzutappen. Das gleiche gilt für den RIT, der beim IC-7300 über den Multiknopf bedient wird. Nur einen Leistungsregler sucht man beim IC-7610 vergebens. Schade, den haben sogar meine IC-746/IC-7400 auf der Frontplatte.

Gute Gründe für den Kauf eines IC-7610, beziehungsweise für einen Upgrade vom IC-7300, sind auf der Rückseite des Transceivers zu finden. Ein zweiter Antennenanschluss und ein separater Empfängereingang, sowie einen Anschluss für einen Transverter. Auch ein Eingang für eine externe 10 MHz Referenz fehlt nicht. Und für Telegrafisten wichtig: nebst dem Paddle lässt sich auf der Rückseite eine normale Taste anschließen. Etwas was ich beim IC-7300 vermisse, kann ich doch mit dem Paddle nicht langsam geben. Bei Tempi unter 80 bekomme ich den Krampf in den Gehirnwindungen und wechsle dann gerne auf den alten Klopfhammer. Für Telegrafisten, die nicht morsen können, lässt sich ein Keypad anschliessen. Ob der IC-7610 für "full break in" wie der 7300er ein Klapperrelais hat oder eine lautlose Diodenschaltung, konnte ich leider nicht herausfinden. Aber das wird sicher nächstens in einem Testbericht geklärt werden.

Reichen all die Goodies für einen Upgrade vom IC-7300 auf den IC-7610?
Für mich muss ich diese Frage verneinen. Mehr als den doppelten Preis ist mir all das nicht wert.
Für den OM, der sich nach Jahrzehnten auf seine Pensionierung mal was Neues leisten und damit auch in die SDR-Technik einsteigen will, könnte die Antwort aber Ja lauten.
Schließlich läuft es auf eine Geldfrage hinaus. Wieso sollte ich mich in einem VW zum Affen machen lassen, wenn ich mir einen Benz leisten kann?

Hier gehts zu der englischen Broschüre und den Manuals.

Bild: Nein, kein Irrtum. Der Flex 6600M ist sicher ein valabler Konkurrent zum IC-7610.

  

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